19.10.2007

Deutschkenntnisse sollen verbessert werden / Rotarier starten 180 000 Euro teure Aktion

Neues Förderprogramm für Grundschüler

Von unserem Redaktionsmitglied Simon Scherrenbacher

Mehr Informationen gibt Rainer Dierkes unter Telefon 06221/80 98 38.

Zehn Prozent der Kinder in Deutschland haben einen Migrationshintergrund. Doch in Ballungsräumen wie der Rhein-Neckar-Region stellen sie oft mehr als die Hälfte der Grundschüler in einer Klasse. Wenn die Deutschkenntnisse allerdings nicht ausreichen, um dem Unterricht zu folgen, besteht die Gefahr, dass die Kinder sich abkapseln, sagt Sozialbürgermeister Joachim Gerner. Um solche "Tendenzen zur Ausgrenzung" zu verhindern, startet nun der Rotary Club Heidelberg-Alte Brücke in Zusammenarbeit mit Stadt, Schulamt und Universität ein Projekt mit Intensivkursen an acht ausgewählten Grundschulen der Stadt.

Los gehen soll es nach den Herbstferien am 3. November. Die insgesamt 18 Lehrer - einen Teil vermittelte der gemeinnützige Verein "Päd-aktiv" - wurden schon am 11. und 12. Oktober auf ihre Aufgabe vorbereitet. Die Förderkurse sollen vier Stunden pro Woche umfassen, in vier- bis fünfköpfigen Kleingruppen abgehalten und in den regulären Stundenplan integriert werden. Das bedeutet, dass die Kinder in dieser Zeit den anderen Unterricht verpassen. Weil die Defizite jedoch so groß sind, dass die Grundschüler vor allem in Deutsch gar nicht mitkommen können, überwiegen die Vorteile diesen Nachteil, erklärt der federführende Rotarier Rainer Dierkes: spätestens dann, wenn die Kinder nach den Förderkursen in der Lage sind, im Unterricht wieder mitzukommen.

"Nur müheloses Zuhören ermöglicht ein tieferes Verarbeiten", verdeutlicht Erika Kaltenbacher vom Seminar für Deutsch als Fremdsprachenphilologie der Universität, wo das Förderkonzept entwickelt wurde. Sei der Kopf zu sehr damit beschäftigt, die Sprache zu verstehen, blieben nur wenig Kapazitäten für den Lehrstoff übrig. Mit Hilfe eines Sprachtests wird der aktuelle Stand der Kinder ermittelt, eine zweite Prüfung soll die Fortschritte messen. Zwar gibt es bereits seit 25 Jahren Förderkurse an den Schulen, wie Amtsleiter Detlev Böhme betont. Doch er räumt ein: "Dem Programm fehlt die Systematik." Trotz Fortbildungen würden viele Lehrer die Kinder unterrichten, ohne ihren Migrationshintergrund zu berücksichtigen - als ob sie vor deutschen Schülern stünden. Hinzu kommt, dass die Förderstunden oft bei Fehlzeiten und Krankheiten von Lehrern als erstes gestrichen werden. Das Dilemma des neuen Projekts bestehe wiederum darin, dass die private Initiative das Kultusministerium aus der Verantwortung nehme, so Dierkes: "Wir müssen immer wieder Maßnahmen des Landes anmahnen."

Die Kosten für das Projekt, das auf drei Jahre angelegt ist, belaufen sich auf über 180 000 Euro. 100 000 Euro konnten die Rotarier bereits sammeln. Der Club sucht jetzt nach Geldgebern aus der Wirtschaft.

19. Oktober 2007, Mannheimer Morgen